Donnerstag, 7. August 2008

So langsam naht der Abschied




Hallo Ihr Lieben!

Ich will mich auch mal wieder melden :-)

Simon hat Bali inzwischen verlassen und seine Rundreise durch Thailand, Laos, Kambodga und Vietnam begonnen. Auch die meisten meiner Bali Kommilitonen haben den Heimweg oder die Weiterreise angetreten und nur noch Steffi und ich sind mit ein paar Wenigen hier.

Hier eine kurze Zusammenfassung was in der Zwischenzeit so alles passiert ist:

Ich war nun ganze 4-mal auf Nusa Lembongan, eine von 3 kleinen Inseln die noch zu Bali gehören und sich ca. eine Stunde Seeweg in süd-östlicher Richtung von Bali befinden. Simon und mir hat es dieses kleine Inselchen einfach angetan. Man sag, Nusa Lembongan verkörpert das, was man sich vorstellt bevor man nach Bali kommt und ich
kann dem nur zupflichten. Bali hat sich laut Steffi in den letzten Jahren sehr verändert und auch Simon und ich waren zunächst etwas „enttäuscht“ (mit Vorsicht zu genießen ;-)) als wir hier ankamen. Klar es ist wunderschön hier, aber man erwartet doch etwas anderes. Das paradiesische Island mit den verlassenen Traumstränden und den geheimnisvollen, netten Einheimischen existiert leider „fast“ nicht mehr. Bali und damit meine ich vor allem den Süden, ist hoffnungslos vom Tourismus überlaufen und zeigtimmer mehr die negativen Veränderungen, die solch ein Prozess mit sich bringt.

Aber darauf will ich später nochmal eingehen…

zurück nach Lembongan ;-) Hier findet man einfach die Ruhe und den Frieden einer verträumten Insel und es war wirklich so, dass wir uns hier Urlaub von Kuta genommen haben und einfach ein paar Tage entspannen konnten. Außerdem gibt es hier noch ein paar vorzüglich Surfspots, wie z.B. Shipwreck, Playgrounds und einer meiner All time favourits Ceningan, ein super lefthander entlang einer Klippe. Leider habe ich es nie geschafft mir und dem Spot gerecht zu werden. Ich muss also wiederkommen, denn da ist noch eine Rechnung offen ;-). Hier wohnt auch unser Ziehvater Wayan. Ihm gehört ein Warung am Strand namens Sukanusa, was soviel bedeutet wie „schöne Insel“. Das will ich jetzt einfach mal so stehen lassen :-)




Ansonsten war ich noch mit ein paar Freunden auf Java. Wir haben die beiden Vulkane Bromo und Idgen bestiegen, supernette Freunde gefunden und mit ihnen einen javanesischen Familienausflug zu einem Wasserfall und auf die größte Plantage Indonesiens gemacht auf der viele verschiedene Pflanzen angebaut werden. Von dieser Insel bin ich wirklich positiv überrascht. Nachdem ich zuvor auf Lombok war, wo die Menschen nicht immer freundlich und nur aufs Geld fixiert sind hatte ich von Java zunächst auch nichts Besseres erwartet, aber wir wurden eines besseren belehrt. Zum Glück :-) Für die, die es noch nicht wissen: Indonesien ist der größte Muslimische Staat der Welt und Bali ist die einzige Insel des Archipels, die hinduistisch ist. Natürlich gibt es inzwischen auf jeder nennenswert bewohnten Insel Indonesiens viele verschiedene Religionen, aber Bali ist dominant Hinduistisch. Ich will mich hier nicht gegen den Islam aussprechen, aber man hat es einfach gemerkt, das außerhalb Balis ein anderer Wind weht und gerade auf Lombok hatten die Menschen öfters eine aggressive und ignorante Haltung. Als Mann ist es eigentlich halb so schlimm, aber gegen westliche Frauen sind die Männer extrem respektlos und unfreundlich. Als Frau alleine in Indonesien? Viel Spaß…traurige Realität…Aber wie schon gesagt, Java hat mein Bild über die muslimische Seite Indonesien wieder etwas ins Positive korrigiert und die beiden Vulkane boten uns ein unvergessliche Landschaften.

Der Bromo Krater mit teilweise noch aktiven Kratern in näherer Umgebung ist eher etwas trostlos mit Wüsten und unwirklichen Mondlandschaften, welche aber sehr beeindruckend und schön sind. Im Krater des Idgen hingegen wird Schwefel abgebaut und im Inneren befindet sich ein Schwefelsee. Die Arbeiter tragen den Schwefel mit 2 Körben an einer Stange über den Schultern zunächst aus dem Krater und dann den Berg hinab. Und jetzt kommt’s, diese Körbe wiegen zusammen 70-80kg!!! Uns hat es mit festen Schuhen im Krater schon fast auf die Fresse gehauen und als wir nach ca. 6 Std. rumgewandere wieder unten waren, waren wir fertig mit der Welt und diese Kerle laufen das manchmal 2mal am Tag. Zwar mit vielen Pausen, aber ich denke das ist einer der härtesten Jobs überhaupt. Ich habe es als einziger von uns geschafft so einen Korb zu stemmen und obwohl ich ihn nur wenige Sekunden auf den Schultern hatte, hat es schon richtig weh getan. Diese Typen haben schon richtige Kuhlen in den Schultern.










Wie schon erwähnt war ich auch auf Lombok und zwar 2-mal. Java liegt westlich von Bali und beherbergt die Hauptstadt Jakarta. Lombok liegt östlich von Bali und beherbergt…naja…Kühe und Hinterwäldler? Spaß beiseite, hat landschaftlich sehr viel zu bieten und neben vielen vorzüglichen Surfspots befindet sich hier auch der weltberühmte Spot Dessert Point. Ich bin wirklich der Meinung, dass unsere negativen Erfahrungen auf Lombok damit zu tun haben, dass es hier mit der Bildung nicht so gut steht und es einfach viele Bauern gibt. Bei uns findet man die braune Gesinnung und Stammtischphilosophen ja auch eher auf dem Land. (Ich will damit nichts verallgemeinern und keinem auf den Schlipps treten, aber mancherorts in Deutschland ist es leider so.) Fährt man durchs Hinterland fühlt man sich manchmal hundert Jahre in die Vergangenheit versetzt, wenn die Einheimischen in ihren Hütten sitzen und mit den Kühen aufs Feld ziehen und wird dann erst wieder in die Realität geholt, wenn jemand mit dem Moppet vorbeirauscht. Das ist einerseits wirklich sehr cool und eine tolle Erfahrung. Man findet hier eine Unberührtheit von Landschaft und Bewohnern, die es auf Bali und vielen anderen Orten Asiens leider nicht mehr gibt. Aber … Viele Menschen und Kinder haben sich auch gefreut und lachen und winken wenn man an ihnen vorbeifährt, aber die negativen Erfahrungen summieren sich manchmal schneller als die positiven. Mag sein das wir mittlerweile auch einfach schon zu lange auf diesen Inseln sind. Man sollte meinen dass man mit der Zeit abstumpft, aber wenn man selber keinen Respekt erhält ist es bei mir mittlerweile so, dass ich immer empfindlicher reagiere und es schwerer fällt Respekt zu zeigen. Das ist wirklich sehr schwer zu erklären und wahrscheinlich noch schwerer nachzuvollziehen wenn man es nicht selber erlebt hat, aber die Umgangsformen in Asien sind sehr umständlich, indirekt und bestehen aus vielen langwierigen „Zeremonien“. Es gibt im Indonesischen z.B. 12 verschiedene Worte für „ja“, aber viele bedeuten eigentlich „nein“. Man nennt das indirekte Kommunikation wenn man etwas sagt, aber eigentlich etwas anderes meint. So wir niemand von sich sagen er weiß etwas nicht oder eine Bitte abschlagen und Konflikte werden in der Regel versucht zu umgehen. Ihr könnt euch also vorstellen, dass es mit der Zeit einfach nervig sein kann wenn man als Westler gewohnt ist Klartext zu reden. Im Hinterland sind diese Umgangsformen noch viel mehr ausgeprägt als in den Städten und so interessant es am Anfang auch war, bin ich mittlerweile etwas voll davon und wenn man dann einen schlechten Tag hat und einfach nur etwas kaufen will und dazu noch versucht wird mich abzuzocken, dann platz mir schon mal schneller der Kragen als es am Anfang der Fall war. Bei meinem ersten Besuch, nur mit Männern, habe ich das ganze auch gar nicht so krass wahrgenommen und mich nur an der Geldgier gestört und das man überall abgezockt wird. Aber als ich mit Steffi das zweite mal dort war tut es weh die Diskriminierung mit anzusehen.



So. Entschuldigt das viele Gerede und ich hoffe das alles klingt jetzt nicht schlimmer als es ist, aber ich musste mich einfach mal schnell auskotzen ;-) Nun noch zu den schönen Seiten Lomboks: Auch dort gibt es ein Kuta, aber nur wenig vom Tourismus erschlossen. Hauptsächlich Surfer verschlägt es hierher. Die Landschaft ist wirklich atemberaubend mit vielen Buchten und verlassenen Stränden und viele sehr geile Surfspots. Dann gibt es noch die Gillis. 3 kleine Inseln im Nordwesten. Einst berühmt berüchtigt (;-)) sind sie heute auch dem Pauschaltourismus zum Opfer gefallen und für unsere Verhältnisse zu überteuert. Aber sie bieten unglaublich schönes Wasser und Unterwasserlandschaften zum Schnorcheln und Tauchen und ich hab ne Wasserschildkröte gesehen :-) Am letzten Tag waren wir noch in bangko-bangko, wo sich die Weltberühmte Welle Dessert-Point befindet. Leider nur für Profis :-( Der Ausflug hat sich aber schon aus dem Grund gelohnt da wir hier für sehr wenig Geld in einer wunderschönen Anlage wohnen durften bei sehr netten Einheimischen, die unser Lombokbild wieder etwas gerettet haben. Man muss aber sagen dass Sie mit einem Engländer verheiratet ist und man sofort die Bildung bemerkt.Jaja Lombok ist wirklich ein zweischneidiges Schwert. Auf der einen Seite super schön und auch mit vielen netten, tollen Leuten, aber auf der anderen Seite die schwarzen Schafe, die soviel kaputt machen können. Auch wenn es der Plan der Regierung ist hier ein zweites Bali zu erschaffen, kann ich schon jetzt prophezeien, dass dies niemals passieren wird, da die Menschen die falsche Einstellung haben und zu gierig sind (es ist alles jetzt schon doppelt so teuer und das Essen schmeckt scheiße).





Dann ist ja auch die Uni vorbei. Ja die Zeit an der Udayana war schon krass und sehr schnell vorbei. Zusammenfassend muss ich sagen, dass ich in der Zeit außerhalb der Universität mehr gelernt habe als im Unterricht. Mit der Aussage will nicht den Unterricht schlecht machen den wir hier genießen, es ist nur einfach so das mir persönlich die Erfahrungen hier im Ausland mehr bringen, als das was wir hier beigebracht bekommen. Das meiste weiß ich nämlich schon längst…, oder sollte ich zumindest wissen ;-) Die Prüfungen liefen auch sehr gut. Für alle behaupte ich mal, und wir haben sie auf die gute, alte indonesische Art und Weise gelöst :-)





Ich war auch Augenzeuge einer der größten Verbrennungszeremonien, die Bali je gesehen hat. Der König und einige hohe Würdenträger der Familie aus Ubud sind verstorben. Es wäre jetzt zu viel die ganze Zeremonie mit Hintergrund und Sinn zu erklären aber kurz: der Leichnam wird auf einen Turm gebracht, in diesem Fall 27m!!! hoch, dann durch die ganze Stadt getragen! auf dem Friedhof wieder runtergeholt, in ein Opfertier aus Pappmasche gesteckt, das ebenfalls mitgetragen wurde und bestimmt auch seinen Tonnen wiegt und dann irgendwann, nach unzähligem zeremoniellem Hokuspokus darin verbrannt. Die Realität sah dann so aus, dass entlang des Weges alle Bäume einfach abgesägt wurden damit der Turm durch passt (ham ja 30Jahre zeit zum wachsen bis der nächste abnippelt, gell). Dann haben sich die Straßen mit Tausenden von Menschen gefüllt und wirklich jeder Flecken Erde entlang der Umzugsstrecke war dicht mit Menschen. Auf Treppen, Dächern, Bäumen, Mauern wo auch immer alles voll. Dann haben 700 Träger 2 Türme, 2 Opfertiere, nen Drachen und noch 2 komische Dinger einmal durch die Stadt getragen. Immer im Laufschritt mit Unterbrechung und immer wieder mit Wasserschläuchen abgespritzt werden sind sie dann unter großem Geschrei und allgemeinem anfeuern um die Kurven geheizt und in Menschenmengen gerannt weil sie nicht rechtzeitig stoppen konnten und einfach alles voll war mit diesen Balinesen :-) Keine Ahnung was die Bilanz am Ende des Tages war. Ich hab keine Verletzten gesehen und alle waren happy. Keine Ahnung wie die das hier machen. Bei uns wäre ne Massenpanik ausgebrochen und 5000 Menschen totgetrampelt worden. Mindesten! Hier aber alles easy, mir geht’s auch gut und es war ein unvergessliches Spektakel.




So was noch? Mein Schwesterherz war noch zu Besuch und mit ihr hab ich viele Touren über die Insel gemacht. Unter anderem sind wir mal nach Lorvina im Norden gefahren und haben Delfine geguckt, weil sie die so gerne hat. Leider waren die Tierchen sehr scheu. Vielleicht lag es aber auch an den anderen 40 Motorbooten, die mit uns im Wasser waren und sobald sich eine Finne gezeigt hat sind alle wie die Irren und mit lauten Motoren über den Punkt geschossen. Naja, aber der Sonnenaufgang war schön. Dann waren wir noch am Wassertempel im Batursee, an den Gitgit Wasserfällen wo man sich mit Liane in den Wasserfall schwingen kann und in den heißen Schwefelquellen. Danach Schnorcheln in Tulamben, was aber wegen starken Wellen und trüben Wasser abgebrochen wurde. Den berühmten Ketchak Tanz im Uluwatu Tempel haben wir gesehen und am „noch“ schönen Dreamland Beach haben wir schön geplanscht und gechillt. Steffis Eltern waren auch mit von der Partie und auch Simons Eltern kamen kurz vor seiner Abreise noch zu Besuch.


Neben verschiedenen Surftrips, anderen spektakulären Ausflügen und dem alltäglichen Wahnsinn waren das ein „kurzer“ Abriss der Highlighs (ich hab bestimmt auch noch was vergessen, aber langsam bekomme ich hunger ;-))

Halt hier noch eins: Vor kurzem war Runde 3 der Rip Curl Pro Series hier auf Bali und wir waren mal schnell Kelly Slater und Mick Fanning in Uluwatu gucken und was passiert. Verliert der Kelly doch tatsächlich gegen irgend so einen Portugiesen (Tiago Pires) und fliegt raus. HAHA wie geil. Die Menge tobte und der Portugiese ist so ausgeflippt das er im Autogramm-Wahn sogar sein eigenes Board signiert hat.


So, damit erstmal genug für heute und ich melde mich dann nochmal bevor ich Bali verlasse…Ich bin jetzt schon traurig das ich gehen muss :-(


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