Insgesamt liegen die Tempel von Angkor verstreut ueber eine Flaeche von mehr als 300 Quadratkilometer. Die Khmer-Koenige liessen die gewaltigen Anlagen in erster Linie als Staatstempel fuer den Devaraja-Kult errichten, der damals neben dem Hinduismus weit verbreitet war. Da die sukzessiven Koenige ihre Vorgaenger uebertreffen wollten und die Techniken des Tempelbaus sich durch die bestaendig wachsende Erfahrung verbesserte, nahm die Komplexitaet der Anlagen bestaendig zu. Symbolisch liegt der Anordnung der meisten Tempel der hinduistische Kosmos zu Grunde. Spaeter wurde der Buddhismus zur Staatsreligion erklaert und viele Tempel wurden dem entsprechend veraendert. Angkors Tempelstaetten sind so unterschiedlich wie seine Herrscher und jeder Tempel besitzt seine eigene Ausstrahlung.
Am Tag unserer Ankunft kauften wir uns fuer den Folgetag unser Ticket, dass uns berechtigte nach 5 Uhr den Sonnenuntergang in einem der Tempel zu bestaunen. Wir entschieden uns (genauso wie Millionen anderer Touristen ;-)) fuer den Tempel Phnom Bakheng. Er befindet sich auf einem kleinen Berg und beschehrt eine wunderbare Aussicht auf den Tonle Sap See und Angkor Wat. Mehr konnte man aber leider nicht sehen, da sich die anderen Tempel mehr oder weniger im Jungel befinden oder sich unter Baeumen verstecken. Phnom Bakheng selber war nicht all zu spektakulaer, es war aber sehr amuesant den Horden von Japanern zu zusehen, wie sie versuchten auf den kleinen Stufen, wo meist nur die Fussspitze platz findet, den Tempel zu erklimmen. Wirklich sehr unterhaltsam :-)Am naechsten Tag ging es dann aber endlich richtig los. Wir haben uns Fahrraeder geliehen und uns der anstrengenden Aufgabe gestellt, alle Tempel zu erstrampeln...bei schaetzungsweise 35 Grad im Schatten und 98% Luftfeuchtigkeit. Die gewonnene Flexibilitaet und die schoenen Parkanlagen, haben aber alle Strapazen vergessen lassen.
Um 5 Uhr morgen(!) schwangen wir uns schlaftrunken auf die Saettel und strampelten los, in der Hoffnung den Sonnenaufgang nicht zu verpassen und das alle anderen verschlafen haben. ...haben sie nicht ;-), es war aber trotzdem ein wunderschoenes Schauspiel das wir im wohl bekanntesten Tempel Angkor Wat bestaunten. Angkor Wat ist zufaellig auch der groesste Tempel der Welt, befindet sich auf einer kuenstlich errichteten Insel (1500x1300m) und ist schlappe 850Jahre alt. Fuenf grandiose maiskolbenfoermige Tuerme halten den Blick gefangen, waehrend man sich in Gedanken vor der Vorstellungskraft der Baumeister verneigt, die dieses Meisterwerk schufen. Man schaetzt die Bauzeit auf ungefaehr 30 Jahre und zehntausende Arbeiter sollen daran beteiligt gewesen sein. Hinter jeder Ecke wartet eine neue Sehenswuerdigkeit und entlang der Galerien um das Herz des Tempels warten die beruehmten Flachreliefs mit einer Hoehe von 2m und einer Laenge von 700m, und das in allen Himmelsrichtungen!Das Herz des Tempels bildet eine Pyramide und ist auf 3 Ebenen errichtet, ueber die sich die 5 Tuerme erheben , deren mittlerer eine Hoehe von 65m erreicht. Leider konnten wir nicht in die Tuerme, da der Zugang wegen Restaurationsarbeiten gesperrt war :-(

Nach diesem beeindruckendem Erlebnis ging es weiter zum naechsten Tempel, dem Bayon.
...to be continued...
.......weil mir grad der Simon auf die Schulter haut. So ein Spitz! Da hock ich grad im letzten Loch in Vietnam und versuch meinen Blog zu aktuallisieren (was ich wohl nie schaffen werde ;-)) und wir laufen uns ueber den Weg. Sry, aber jetzt muss ich erstmal einen trinken gehen :-)
...so inzwischen in Saigon angekommen und den Simon wieder losgeworden, gehts weiter im Klartext :-)
Angkor Thom ist so etwas wie die Stadtmauer, 8 Meter hoch, mehr als 5 Meilen lang und von 5 Toren mit jeweils doppelten Portalen unterbrochen. Draussen erstreckt sich ein breiter Wassergraben und die ganze Anlage ist aehnlich quadratisch aufgebaut wie Angkor Wat. Im Inneren dieser ehemaligen Stadt sind zahlreiche Gebaeude erhalten geblieben, meist Tempel, aber der Grossteil und die ehemaligen Wohngebaeude sind leider verschwunden, da sie aus vergaenglichem Material wie z.B. Holz gemacht waren. Im Zentrum dieser Anlage befindet sich nun der Staatstempel Bayon.
Der Bayon ist nicht umsonst Steffis Lieblingstempel, denn ich muss zugeben, dass er es auch mir sehr angetan hat. Wenn man sich ihm langsam naehert erkennt man zunaechst nicht viel mehr als eine schwer zu definierende Masse aus dunklem Stein. Erst nach Ueberquerung eines Steindamms wird die Vielschichtigkeit des Bauwerks ersichtilich und erst dann ruecken die 54 Tuerme (von denen heute leider nicht mehr alle stehen, man findet ueberall andere Zahlen und ich habe selber nicht gezaehlt ;-) mit jeweils 4 riesigen Gesichtern des Lokesvara ins Bewusstsein des Besuchers. Insgesamt blicken ca. 200 solcher Gesichter in staendiger Wiederkehr vom Bayon herrab, aber doch sieht jedes irgendwie anderst aus.
Im spaeten 12. oder fruehen 13. Jh. wurde der Tempel vollendet und sollte die Religionen des Landes zusammenfuehren und auch den Islam in seinen Schoss aufnehmen, der die Religion der soeben unterworfenen Cham war. Geweiht wurde das Bauwerk als buddistischer tempel, doch als der Hinduismus zur Staatsreligion erhoben wurde, rissen fanatische Glaubige das Buddhabildnis nieder und stuerzten es in einen nahen Brunnen. Man sagt auch, dass andere Tempel manchmal von neu gekroenten Koenigen zerstoert wurden, um an der gleichen Stelle dann ihren eigenen Tempel zu errichten. Der Bayon jedoch wurde nie zerstoert, denn jeder Koenig der ihn sah fand ihn so schoen, dass er es nur wagte in auszubauen, oder ihn um neue Aspekte zu erweitern.
Es hat wirklich eine Menge Spass gemacht in diesem Tempel herumzuklettern und wegen seinem enormen Detaillreichtum kann man Stunden damit zubringen, ueberall neue Sehenswuerdigkeiten zu entdecken.
Nach unserer Entdeckungstour im Bayon machten wir uns, nach einer kleinen Staerkung, auf den muesamen Weg zum Ta Prohm, dem "Tomb Raider"-Tempel im Dschungel.
Maechtige (und damit meine ich maeaeaechtige!) Feigen-, Bayan-, und Kapokbaeume wachsen auf den Terrassen und Mauern von Ta Prohm. Viele von ihnen sind ueber 300 Jahre alt und ihre gewaltigen Wurzeln umklammern Waende, umrahmen Torbauten und brechen gigantische Steinbloecke auseinander. Keiner der 39 Tuerme ist unversehrt geblieben und das eingestuerzte Tempellabyrinth macht es schwierig, einen Rundgang zu planen oder den Grundriss des Bauwerks zu erkennen. Wenn ich ehrlich bin habe ich mich sogar im Tempel verlaufen :-) Es beeintraechtigt die Besichtigung jedoch nicht im geringsten, wenn man die Orientierung verliert, denn der Reiz besteht vor allem darin, die ausgetretenen Pfade zu verlassen, ueber eingestuertztes Mauerwerk zu klettern, geduckt durch hoehlenartige Galerien zu kraxeln und sich davon ueberraschen zu lassen, welche Kunstwerke sich hinter der naechsten Ecke verbergen, oder wo man eigentlich ist?!
Leider waren im Vergleich, zu dem was Steffi von vor 2 Jahren erzaehlt hat, inzwischen viele Bereiche abgesperrt und soviel Spass dieser Tempel auch macht, muss es frueher wohl noch spannender gewesen sein. Ich habe die abgesperrten Bereiche....naja, meistens jedenfalls gemieden ;-), denn wenn man sich die Decken und Waende so ansieht, kann man schon ein mulmiges Gefuehl bekommen, wenn man sich direkt darunter befindet und die Absperrungen haben wahrscheinlich schon ihren Sinn :-)
Nach diesem abenteuerlichen Ausflug trennten wir uns erstmal von unseren Fahrraedern und nahmen uns ein Tuk-Tuk fuer den Besuch im ca. 20 Km entfernten Landmienen Musseum.
Dieser Besuch war von ernsterer Natur, den der Gruender des Musseums, Mr. Akira gibt Einblicke ueber seine Arbeit und die schreckliche Vergangenheit des Landes.
Mr Akira: Er weiss weder seine richtigen Namen, noch wann er genau geboren wurde. Mit 10 Jahren toeteten die roten Khmer seine Eltern und bildeten ihn zum Kindersoldaten aus. Seine Aufgabe bestand unter anderem darin zehntausende von Landminen zu legen. Nach seiner Desertatin schloss er sich den Vietnamesen an, um gegen seine ehemaligen Herren zu kaempfen. Nach Ende des Krieges widmete er sein Leben dem aufspuehren und entschaerfen von Landminen. Der Sinn seines Lebens besteht nun darin, sagt er, soviele Minen wie moeglich zu beseitigen um seine Mitmenschen zu schuetzen sein Land wieder sicher zu machen.
Kamboscha zaehlt heute zu den am schlimmsten verminten Laendern der Erde. Niemand weiss genau wieviele Minen sich noch unter der Erde befinden, die Schaetzungen gehen in die Millionen und fast taeglich werden immer noch Menschen durch Landminen getoetet oder verletzt; 1 von 236 ist betroffen. Weltweit wird pro Stunde ein Mensch zum Opfer einer Mine.
Heute arbeitet Mr. Akira mit vielen nationalen und internationalen Organisationen zusammen, aber jahrelang hat er nur mit den einfachsten Hilfsmitteln wie Messer und Spaten die Minen aufgespuehrt und entschaerft. Im Musseum zu sehen sind zahlreiche von ihm entscharfte Minen, Sprengkoerper und Bomben der Amerikaner, denn auch die haben mal wieder einen grossen Beitrag zur Unsicherheit des Landes geleistet, als sie im Vietnamkrieg breite Landstriche Kamboschas mit millionen Tonnen von Bomben bewarfen.
Desweiternen gibt er ausfuehrliche Informationen ueber Landminen, deren Auswirkungen und Methoden und Ereignisse des Krieges.
Das Schreckliche an Landminen ist die Tatsache, dass sie nicht gebaut werden um Menschen zu toeten, sondern nur zu verletzen. Man betrachtet es von einem unmoralischen wirtschaftlichen Faktor, den ein verletzter Soldat kostet den Gegner ein vielfaches mehr an Resourssen als ein toter Soldat und demoralisiert seine Kameraden. Auch kostet die Herstellung einer Mine nur 1$, deren Beseitigung kann allerdings bis zu 1000$ kosten.
Nur 1-2 Minen reichen aus um ein Gebiet von mehreren Quadratkilometern unbrauchbar zu machen und selbst geraeumte Gebiete koennen wieder zu einem Gefahrengebiet werden,wenn in der Regenzeit, tief unter der Erde liegende Minen wieder an die Oberflaeche geschwemmt werden. Deswegen bekommt man als Tourist in Kamboscha keine Roller ausgeliehen und wird darauf hingewiesen die befestigten Strassen nicht zu verlassen, denn die Gefahr besteht immer und ueberall.
Der Kampf gegen die Landmine scheint aussichtslos und es wird noch Jahrzehnte, wenn nicht sogar Jahrhunderte dauern, bis diese Gefahr, hoffentlich entgueltig aus der Welt geschaffen wurde.
Nicht umsonst gibt es schon seid laengerem ein internationales Abkommen zum Bann von Antipersonenminen, die sog. Ottawa-Konventionen. Bis September 2007 wurde die Konvention von 156 Staaten ratifiziert. Unter den rund 40 Staaten, die zu diesem Zeitpunkt nicht beigetreten waren, befinden sich unter anderem Aegypten, China, Indien, Israel, Pakistan, Russland, Syrien, sowie die USA...


















































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